2003

Europatreffen in Schwerin

„Eine Welt für alle! Alle für eine Welt!“

Ein ereignisreiches Jahr lag vor uns, bis zum Sommer war es nicht mehr lange hin. Zunächst begannen wir „Sponsorenbriefe“ zu schreiben und Anträge auf Fördergelder zu stellen. Viel Büroarbeit war also zunächst zu leisten und das alles neben der regulären Arbeit, sprich im Feierabend. Der Finanzierungsplan war immer wieder anzupassen. Ein herber Rückschlag war, dass wir einen abschlägigen Bescheid auf Fördergeld aus Brüssel bekamen. Also ein großer eingeplanter Geldbetrag uns nicht zur Verfügung stand. In einer telefonischen Rücksprache mit Brüssel, wurde uns der Grund dafür genannt. Wir hätten das Tanzensemble der Türkei wieder ausladen müssen, um die Fördergelder zu erhalten. Diese Gruppe war seit vielen Jahren Gast bei den jährlich stattfindenden Europatreffen gewesen, somit war das keine Option für uns. Nachdem wir von der Stadt Schwerin eine höhere Summe dann noch zugesichert bekamen und wir den Kostenplan nochmals geprüft und alle Optionen durchgegangen waren, entschieden wir uns das Europatreffen von 14 Tagen auf 10 Tage zu reduzieren, so war das Europatreffen letztlich in reduzierter Form durchführbar. Natürlich stießen wir, mit dieser leider notwendig gewordenen Maßnahme, in der „Europäischen Familie“ nicht auf „Freudensprünge“.

Regelmäßig kommunizierte ich mit den Gruppenvertretern der einzelnen Länder. Besonders arbeitsintensiv war die Korrespondenz mit der Türkei - Botschaft, Visa, Zusicherungen usw. –



Die Öffentlichkeits- und Pressearbeit musste im Zeitplan gut koordiniert werden. Ich entschied mich zusammen mit den Pressemitteilungen auch die Infos an die hiesige Polizei zu geben. Damit dort immer Kenntnis darüber bestand, wann die „Camp-Teilnehmer“ sich wo aufhielten - Wann und wo in Schwerin unsererseits Auftritte stattfanden -.

Die Freizeitaktivitäten waren zu planen. Dampferfahrt, Einkaufsbummel, Drachenbootrennen auf dem Faulen See, den E u r o p a t a g führten wir im  Freilichtmuseum Mueß durch, gemeinsames Baden im Schweriner See usw. - hier habe ich das Deutsche Rote Kreuz über den Termin in Kenntnis gesetzt -. Diese waren dann mit einem Boot zur entsprechenden Uhrzeit am Stand der Reppiner Burg zur Stelle.



Aber auch die Präsentation unseres Schweriner Tanzensembles war vorzubereiten. Neue Choreographien wurden erarbeitet „One Day in Your Life“ Anastasia, „Charleston“, „Pipi Langstrumpf“ und nach Michael Jackson „Heal the world“. Uns stand also insgesamt ein breitgefächertes Repertoire zur Verfügung.

Mein ehemaliger Choreograph, mein lieber Willi Hinzert, hatte mir angeboten, mir Kostüme bei ihm holen zu dürfen, die bei ihm lagerten. Ich fuhr also kurzfristig nach Berlin, ich brauchte noch schöne Kleider für die Mädchen für das Finale „Heal the world“. Ich wurde fündig, Willi hatte schon einige Kleider, wo er meinte diese wären geeignet, beiseite gehängt. Aber ich suchte mir weitere Kleider heraus. Besonders freute ich mich über die schwarz-weiß plissierten Kleider, welche in der Komischen Oper Berlin von den Tänzerinnen genutzt worden waren. Ich belud mir also mein kleines Auto bis unter die Decke mit Kostümen und trat die Fahrt nach Schwerin an. Spät in der Nacht traf ich ein und brachte die Kostüme in unseren Fundus - damals noch am Sportplatz Paulshöhe am Faulen See -. Die Anproben mit meinen Mädchen, ergab, dass die Kleider noch „passend“ gemacht werden mussten. Also mussten kurzfristig Termine zur Anprobe mit unserer Schneiderin vereinbart werden. Diese nähte bis in die Nacht, so dass die Kleider sehr kurzfristig fertig wurden. Das „Pferd“ für Pippi Langstrumpf, wurde auch sehr kurzfristig fertig. Der Pferdekopf wurde aus Pappmache hergestellt. Ein Fahrradhelm wurde mit Schrauben versehen und der Pappmache-Pferdekopf dort eingehängt. Alles wurde kurzfristig, aber noch rechtzeitig fertig. Die Technik übernahm, das, damals noch in Schwerin ansässige, Musikhaus Mewes, mein Bruder.



2 Tage vor Eintreffen der „Europäischen Familie“ schickte ich die Pressemitteilungen und Einladungen zu den Veranstaltungen heraus. Das Büro des Oberbürgermeisters rief mich an und teilte mir mit, dass der Oberbürgermeister, die Schirmherrschaft für dieses Event übernehmen möchte.

SN-TV rief mich an und teilte mir einen Termin mit, wann sie eine Fernsehsendung bzgl. des Events und ein Interview mit mir aufnehmen möchten.



Dann war es soweit, der Anreisetag der Camp-Teilnehmer, der 2. August 2003. Alle waren gut im Schullandheim in Schwerin Mueß angekommen und bezogen ihre Zimmer und Bungalows. Der Bus der Türkischen Gruppe blieb in Schwerin. Ein herzliches Willkommen in der Stadt der Seen und Wälder bei schönstem Sommerwetter, Schwerin zeigte sich von seiner schönsten Seite.

Die 10 Tage wurden von uns abwechslungsreich geplant. Die Auftritte, Freizeitgestaltung – von Dampferfahrt auf dem Schweriner See, Shoppingbummel in Schwerin [unsere Gäste hatten die Möglichkeit die Busse und Bahnen des Schweriner Nahverkehrs – nach Vorlage des Teilnehmerausweises – unentgeltlich zu nutzen] hielten sich in einem ausgewogenem Verhältnis.

Ganz besonders angetan waren unsere Gäste vom Alten Garten mit seinem „Märchenschloss“. Hier wollten besonders unsere türkischen Freunde gar nicht wieder weg. Da noch ein Auftritt auf dem Plan stand, musste ich leichten Druck ausüben. Ich war immer heil froh, wenn alle vollzählig einschließlich ihrer Kostüme und rechtzeitig in den Bussen saßen. Der Konvoi fuhr immer meinem kleinen Auto hinterher.

Mit der Küche im Schullandheim waren alle sehr zufrieden, es wurde lecker vor Ort gekocht. Schließlich musste auch immer darauf geachtet werden, dass einige Camp-Teilnehmer kein Schweinefleisch aßen. Ein lecker Grillabend bei schönstem Sommerwetter und laue Sommerabende rundeten die schöne Atmosphäre ab. Was natürlich nicht ausblieb, war, dass einige der türkischen Jungs sich in einige meiner Mädchen verguckten, was dann am Abreisetag zu „Herzeleid“ führte.

In meiner besonderen Erinnerung ist auch das gemeinsame abendliche Baden unterhalb der Reppiner Burg geblieben. Die Jungs – die jungen Männer - tobten wie kleine Kinder barfuß den Berg zur Reppiner Burg rauf und runter. Gemeinsam erlebten wir einen herrlichen Sonnenuntergang hinter dem Schweriner See.

Ein besonderer Spaß war das Drachenbootrennen auf dem Faulen See. Wir hatten so viel Spaß dabei und waren pitschnass. Meine Ohren vernahmen, dass mich meine Mädchen abschließend ins Wasser schmeißen wollten. Ich kam ihnen zuvor, ich sprang also selbst mit kompletter Kleidung hinein. Mein Hund Bobby folgte mir mit lautem Gebell, mein Vater war mit ihm zum Faulen See gekommen.



Die ereignisreichen Tage verflogen wie im Flug.

Die Ginko-Bäumchen wurden im Schullandheim angeliefert, welche wir in der Baumschule bestellt hatten. Nach einem schönen Brauch - es ist etwas was bleibt - wurde von jeder Gruppe ein Bäumchen gepflanzt. Jedes Mal, wenn ich heute am Schullandheim vorbeifahre, freue ich mich wie groß die Bäume geworden sind.

Europatreffen in Schwerin Mueß

Die Abschlussveranstaltung sollte den Höhepunkt bilden. Viele Schweriner, Eltern und geladene Gäste waren gekommen. Es war eine beeindruckende und abwechslungsreiche Veranstaltung. Um nur einige Highlights zu nennen, das Türkische Ensemble mit dem „Tanz vom Schwarzen Meer“ (hier tanzen die Männer auf Spitzen), Fifi mit seiner Truppe und seinen eigenen Songs, und meine Truppe – „WestSideStory“, der witzige „Charleston“, „die Weiße Taube“ und ganz besonders emotional das Finale „Heal the word“ (Michael Jackson) mit den Kleidern, die ich zuvor aus Berlin geholt hatte, aus den Händen von unserm lieben Willi. Spontan gingen die Türkischen Freunde beim Finale auf die Knie und die rechte Faust lag auf der linken Brustseite.

Ein sehr bewegender und emotionaler Abend unsere Zuschauer gingen sehr angetan und bewegt nach Hause.



Am nächsten Tag hieß es unter Tränen Abschied nehmen.

Wir - die Schweriner - packten als Letzte unsere Sachen um nach Hause zu gehen.

Am nächsten Morgen, ich wollte mich etwas ausschlafen und erholen, klingelte mein Handy. Der Leiter des Schullandheimes war sehr aufgebracht und zitierte mich ins Camp. Grund dafür war, dass die türkischen Freunde, die Holzwand im Bungalow mit Sprüchen „geziert“ hatten. Mein Sohn, Andre, nahm kurzerhand die Schleifmaschine und beseitigte die „Kunstwerke“ der türkischen Freunde.

10 ereignisreiche Tage lagen hinter uns. Die Fernsehsendung von SN-TV lief noch in Dauerschleife eine Woche lang, so konnten wir noch einmal in die lieben Gesichter unserer Gäste schauen. Was für ein Sommer, Schwerin hat sein schönstes Gesicht gezeigt und wir haben uns die größte Mühe gegeben, gute Gastgeber zu sein.

Uns blieben jetzt noch die Abrechnungen der Fördergelder und Dankesbriefe an die Sponsoren.



Europatreffen in Schwerin Mueß
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